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„So sollten wir uns alle verhalten und unsere Gelübde vor dem Allmächtigen erfüllen!“
Frühling 2026 Rundbrief

Im Dorf Artschib, der angestammten Heimat der Artschinen, oder Artschi, blieben für den Winter 2024/25 nur drei Familien zurück, und selbst diese planen, diesen Winter nach Machatschkala umzuziehen. Das Dorf ist so abgelegen, dass es einfach zu riskant ist, dort zu überwintern, insbesondere für ältere Menschen. In einem Notfall könnte man ohne die notwendige Hilfe dastehen. Von Machatschkala zum Dorf Kuppa, wo seit zwei Jahren in Folge IBT-Seminare über Mündliche Bibelübersetzung stattfinden, sind es zwei Stunden und fünfzehn Minuten Fahrt. Von Kuppa nach Artschib sind es weitere hundert Kilometer, die effektiv eine dreistündige Fahrt bedeuten. Das liegt daran, dass die Strasse sich als kurvenreiche Serpentine durch die Berge zieht und teilweise durch Gelände führt, wo es unmöglich ist zu asphaltieren, sodass es gar keine richtige Autostrasse ist.

Es ist traurig zu hören, dass ein weiteres dagestanisches Dorf verschwindet. Für das Artschinisch-Übersetzungsprojekt gibt es jedoch auch gute Nachrichten: Es kommt unserem exegetischen Berater  entgegen, dass sich das gesamte Übersetzungsteam für den Winter in Machatschkala versammelt. Das erspart ihm die vielen Stunden schwieriger, ja gefährlicher Reisen.

Alle oder fast alle Artschinen sprechen neben ihrer Muttersprache auch Awarisch. Awarisch dient als regionale Verkehrssprache. Während der Sowjetzeit war es die Unterrichtssprache in der Dorfschule. Die meisten sprechen natürlich auch Russisch. Aber es stellte sich heraus, dass in der Familie des Übersetzers seine Mutter überhaupt kein Russisch kann. Als der exegetische Berater beim Betreten des Hauses sie auf Artschinisch begrüsste (er lernt die artschinische Sprache unter der aufmerksamen Anleitung ihrer Enkelin), lächelte sie herzlich und teilte ihrer Familie mit, dass dieser Mann besser Artschinisch spreche als ihre eigene Schwiegertochter. Schliesslich ist die Frau ihres Sohnes Awarin und beherrscht die artschinische Sprache nicht.

Ihre Enkelin, die den Teilnehmern des Übersetzungsprojekts Artschinisch beibringt, ist eine junge Frau, die gerade selbst Mutter geworden ist. Sie ist nicht nur Sprachlehrerin, sondern hilft auch als Befragte bei den Feldtests. Der exegetische Berater führt diese Feldtests selbst durch. Er stellt Verständnisfragen zum Gehörten und bittet oft auch um eine „Rückübersetzung” aus der Artschinisch-Audioaufnahme ins Russische (¬bei der mündlichen Bibelübersetzung werden Audioaufnahmen verwendet, keine schriftlichen Texte).

Bei fast allen mündlichen Projekten des IBT wird nach der definitiven Aufnahme des Audiomaterials der Text auch transkribiert, in einer Smartphone-App veröffentlicht und schliesslich als gedrucktes Buch herausgegeben. Die Übersetzungsteams selbst bestehen darauf. Auch wenn ihre Minderheitensprache möglicherweise nicht einmal über ein offizielles Schriftsystem verfügt, sind sie besonders stolz darauf, ein Buch mit Texten in ihrer Muttersprache zu sehen. Beim Artschinisch-Projekt ist aber noch nicht ganz klar, ob die Bibeltexte schriftlich herausgegeben werden. Ein Schriftsystem für das Artschinische wurde zwar von Moskauer Linguisten entwickelt; sie haben sogar ein Artschinisch-Russisch-Englisch-Wörterbuch veröffentlicht, das sowohl in Buchform als auch online verfügbar ist. Aber die Artschinen selbst verwenden das muttersprachliche Alphabet bislang nicht. Vielleicht wird sich dieser Trend mit der Zeit ändern; vielleicht werden die artschinischen Publikationen des IBT dies sogar begünstigen. Schliesslich ist die Sprache vom Aussterben bedroht; jede nachfolgende Generation verwendet sie weniger als die vorherige.
Der exegetische Berater versuchte beispielsweise, seine Lehrerin zu fragen, wie die Wochentage auf Artschinisch heissen, aber es stellte sich heraus, dass sie diese Wörter nicht kannte und sie noch nie gehört hatte. Sie kennt nur den Namen für Freitag – „Gebetstag”. Freitag ist der heilige Tag für Muslime. Sie kennt auch das Wort für Donnerstag: „Abend vor dem Gebetstag”. Das ist alles. Sie fragten dann die Mutter des Übersetzers, die kein Russisch spricht, und sie konnte mühelos alle sieben Wochentage in Artschinisch nennen.

Kürzlich schloss sich eine weitere Teilnehmerin dem Projekt an, eine 21-jährige Linguistin. Das Team entschied, dass eine junge Frau klar nicht alleine durch das bergige Dagestan reisen sollte. Aber zusammen mit einem grossen, bärtigen exegetischen Berater (der Bart des Mannes ist ein wichtiges Attribut in der örtlichen Kultur!) – das ist eine andere Sache. Als Duo ergänzen sie sich perfekt, und die Kommunikation mit den Einheimischen verläuft reibungslos.

Während des Sprachunterrichts sass die Linguistin still da, und zunächst schien es, als würde sie nicht mitmachen. Aber bald wurde klar, dass sie jedes Wort mit den Ohren aufnahm, es im Artschinisch-Russisch-Wörterbuch nachschlug und Besonderheiten der Verwendung notierte – im Grunde genommen leistete sie die schwierigste und notwendigste sprachliche Arbeit für die weitere Entwicklung des Projekts.

Bei der Feldprüfung des übersetzten Bibeltextes waren die Befragten eine ältere Frau und ihr Enkel im schulpflichtigen Alter. Auch diese beiden ergänzten sich wunderbar. Die Grossmutter hörte nicht gut, und der Enkel wiederholte laut, was er hörte, und verstand die Bedeutung der Fragen sogleich. Der Wortschatz des Jungen in seiner Muttersprache war jedoch viel kleiner als der seiner Grossmutter. Wie zu erwarten war.

Als der Exegeseberater die Befragten einmal mehr um eine Rückübersetzung einer Schriftstelle bat, ging es um einige Verse aus dem 2. Kapitel des Buches Jona, wo der Prophet im Inneren des Fisches betet. Seine Artschinisch-Lehrerin übersetzte dies prompt und ohne zu zögern etwa wie folgt: „Ich werde erfüllen, was ich Dir versprochen habe. So sollten wir uns alle verhalten und unsere Gelübde vor dem Allmächtigen erfüllen.“
 
„Haben Sie das wirklich genau so übersetzt?“, fragte der Exeget überrascht. Aber es stellte sich heraus, dass die Zuhörerin sich Jonas Gebet so sehr zu Herzen genommen hatte, dass sie begonnen hatte, den Text zu erläutern.

Kürzlich gab es eine weitere sehr persönliche und tiefgreifende Bestätigung des Vertrauens zwischen Teammitgliedern unterschiedlicher Glaubensrichtung. Während sie auf die Geburt ihres ersten Kindes wartete, bat die Artschinisch-Sprachlehrerin ihren Schüler, für sie zu beten, da unser Exeget sowohl ihr als auch ihrem Vater, dem Übersetzer des Projekts, wiederholt gesagt hatte, dass er und seine Frau und seine Kinder für ihre gesamte Arbeit und ihre ganze Familie beten. „Ich glaube, dass der Allmächtige deine Gebete erhören wird“, sagte die junge Muslimin zu dem christlichen Exegeten. Die Geburt war schwierig, ein Kaiserschnitt war notwendig, aber ein gesunder Junge kam sicher zur Welt.

Wir bitten auch Sie um Ihre Gebete: dass das Projekt weitergeht; dass es dem Team nach den Erzählungen Ruth und Jona gelingt, das 1. Buch Mose und dann das Matthäusevangelium zu übersetzen; dass diese Texte als Apps und auch als Bücher veröffentlicht werden können; dass die Artschinen, wenn sie gedruckte Texte in ihrer Muttersprache kennenlernen, den leidenschaftlichen Wunsch bekommen, ihre Sprache zu behalten und weiterzuentwickeln, einschliesslich des Lesens in dieser Sprache, so wie sie Russisch und Awarisch lesen. Und natürlich, dass das Wort Gottes zu ihren Herzen spricht, den Herzen der Söhne und Töchter dieses Minderheitenvolkes in dem erstaunlichen Vielvölker-Land Dagestan.

Und danke Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, für Ihre finanzielle Unterstützung weiterer Schulungen im Gebiet „Bibelgebrauch“. 

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